Landkreis Erding Landkreis Erding Projektbeschreibung
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Das Projekt FOS/ BOS Erding

Der Landkreis Erding plant den Neubau eines nachhaltigen Schulgebäudes mit einem sehr niedrigen Primärenergieverbrauch. Es soll ein insbesondere auch über den gesamten Lebenszyklus extrem ressourcenschonendes Gebäude entstehen.

Daher wurde ein baulichtechnisches Energiekonzept mit einem extrem niedrigen Primärenergiebedarf von ca. 60 kWh/(m² a) unter gleichzeitiger Berücksichtigung des gesamten Lebenszyklus entwickelt. Es wurde zunächst ein Dämmstandard definiert, der das Erreichen des Passivhauskriteriums eines spezifischen Heizwärmebedarfs von 15 kWh/(m² a) ermöglicht. Das rechnerische Ergebnis für den spezifischen Wärmebedarf beläuft sich auf ca. 11 kWh/(m² a). Durch die Prüfung mehrerer Varianten konnte die Wärmebrückenfreiheit der Baukonstruktion gewährleistet werden. Die Wärmeversorgung des Gebäudes wird durch Anschluss an die vorhandene Geothermie-Fernwärmeversorgung der Stadt Erding bewerkstelligt.

Zur Minimierung des erforderlichen Kunstlichteinsatzes wurden Fassadenlösungen mit einer guten Tageslichtversorgung und eine präsenz- und tageslichtabhängige Regelung der Beleuchtungsanlage entwickelt. Weiterhin wurde eine reduzierte, hocheffiziente Haustechnik konzipiert. Leitgedanken waren die durchdachte Führung von Medien (insbesondere von Luft) und die Mehrfachnutzung ohnehin vorhandener Einheiten (Beispiel: Nutzung des Atriums als Abluftplenum zur Verringerung des vorzuhaltenden Kanalrohrnetzes). Durch die mechanisch unterstützte Nachtauskühlung können die sommerlichen Empfindungstemperaturen in den Klassenräumen fast immer unter einem Wert von 28 °C gehalten werden. Der
Einsatz ökologischer Materialien für Baustoffe und Installationsmaterialien wurde überprüft – soweit wirtschaftlich vertretbar, kommen diese zum Einsatz.

Weiteres Vorgehen Technik

In den folgenden Projektphasen ist eine sorgfältige Überwachung bei der Umsetzung des entwickelten ressourcenschonenden baulich-technischen Konzepts erforderlich. Es ist sicherzustellen, dass alle zum Einsatz kommenden Komponenten den in der Planungsphase formulierten energetischen Anforderungen entsprechen. Alternativvorschläge sind bezüglich ihrer potentiellen Auswirkungen auf den Energiebedarf, den thermischen Komfort und die mit der Herstellung und der Entsorgung verbundene Umweltbelastung hin zu überprüfen. Im Einzelnen ist folgenden Punkten besondere Beachtung zu schenken:

  • Gebäudedichtigkeit (insbesondere rechtzeitige Durchführung des Blower-Door-Tests)
  • Dämmstandard
  • Wärmebrückenfreiheit
  • Gesamt-U-Wert der verwendeten Fenster
  • Druckverluste von mechanischen Lüftungsanlagen und Komponenten der Lüftungstechnik, insbesondere Überströmelement Klassenzimmer-Flure
  • Hydraulischer Abgleich / raumbezogene Volumenströme der mechanischen Lüftungsanlagen
  • Hydraulischer Abgleich Heizungssystem und Brunnenwassersystem
  • Wirkungsgrade von Ventilatoren und Pumpen (insbesondere auch große Abluftventilatoren für die Nachtlüftung)
  • Wirkungsgrade von Beleuchtungskörpern
  • Leistungsaufnahme Diverse Technik (Schaltkästen, GLT-Komponenten, Aufzüge etc.)
  • Fehlerfreie Umsetzung der Steuerungs- und Regelungskonzepte (insbesondere Nachtauskühlung, tagsüber erfolgende Be- und Entlüftung, präsenz- und tageslichtabhängige Beleuchtung, Sonnenschutz)
  • Vollständige, fehlerfreie Implementierung der für das Monitoring-Programm erforderlichen Messtechnik; rechtzeitige Funktions- und Plausibilitätstests der Messtechnik Seite 12 von 198 
  • Enge Einbindung des Nutzers bei der Inbetriebnahme
  • Nutzung der Messdatenerfassung zur fehlerfreien Überführung des Gebäudes in die geplante Betriebsweise 
  • Verifikation der prognostizierten erreichbaren Primärenergiebedarfe

Weiteres Vorgehen Verfahren

Erstellung der Leistungsverzeichnisse 

  • Es ist vorgesehen, die Leistungsverzeichnisse in Form einer Generalunternehmerausschreibung herauszugeben. Die Generalunternehmerausschreibung empfiehlt sich, weil aufgrund der komplizierten Materie und der hohen technischen Interdependenzen zwischen
    einzelnen Gewerken (Rohbau, Heizung, Lüftung, Sanitär, Elektro, Fassade, Akustik, Schallschutz, Brandschutz) Schnittstellenprobleme vermieden werden können.
  • Ob eine solche Ausschreibung möglich ist, wird durch den Freistaat Bayern, durch das Innenministerium sowie durch die Bayerische Oberste Baubehörde und der Regierung von Oberbayern, seit inzwischen fünf Monaten geprüft. Bayern lässt grundsätzlich im Widerspruch zur BGH- und EUGH-Rechtssprechung Generalunternehmer oder  Generalunternehmeraus-schreibung nur unter erschwerten Bedingungen zu. Als Kompromisslösung
    schlägt sie eine Parallelausschreibung in Einzelgewerken mit General-unternehmerausschreibung vor.
     
    Die Entscheidung wird - da auf dieser Ebene von Landrat Bayerstorfer vorgetragen - vermutlich auf Ministerebene getroffen. 
     
  • Zur Vorbereitung der Ausschreibung werden die Ausführungsplanungen für die einzelnen Gewerke erstellt und die dort entwickelten Details zur Erreichung der gesteckten Untersuchungsziele eingeplant.
     
  • Auf der Basis der Ausführungspläne werden dann die Leistungsverzeichnisse erstellt, bei denen die Vorgaben zum Thema Passivhaus, Gesamtenergie und vor allem auch die Vorgaben zum Thema „Nachhaltige Baustoffe“ eingebracht werden. Außerdem werden die im Rahmen der Projektentwicklung und Planung entwickelten Details in die LVs aufgenommen. 

    • Die Ausschreibung, sei es in Einzelgewerken oder Generalunternehmer, umfasst demnach nicht nur das Leistungsverzeichnis, sondern auch die entsprechenden Planunterlagen.; 
       
    • Nach Vergabe an den Generalunternehmer oder Einzelbieter werden diese
      aufgefordert, ihre Werkstattpläne vor Beginn der Arbeiten dem Landkreis Erding vorzulegen, damit diese nochmals auf Übereinstimmung mit den Zielen
      des Projektes überprüft werden.
       

    Während der Bauphase sind über die übliche Bauleitung hinaus an den kritischen Stellen technische Zwischenabnahmen vorgesehen (Fassade, Fenster, Decke); ggf. wird in einem Musterbereich, der nach den vorgegebenen Unterlagen vorab fertig gestellt wird, ein erster Blower-Door-Test durchgeführt. Die Abnahme des Gesamtbauvorhabens kann im Hinblick auf die Erreichung der Projektziele bei den Schlüsselgewerken erst mit Fertigstellung des Projektes (Fall der Einzelgewerks-ausschreibung) erfolgen. Zur Sicherstellung, dass bei Nichterreichen der Projektziele, diese auf Fehlleistungen von Unternehmen zurückzuführen sind, wird derzeit noch mit dem Freistaat Bayern darüber verhandelt, ob die Gewährleistungsbürgschaft in den Schlüsselgewerken auf 10 % erhöht werden kann.